Jeder
dritte deutsche Urlauber erkrankt während oder unmittelbar nach einer
Fernreise. Sorgen bereiten den Experten dabei nicht nur Tropenkrankheiten wie Malaria
oder Gelbfieber. Auch Polio, Diptherie und Wundstarrkrampf
bedrohen die Reisenden.
Qbwohl diese Krankheiten bei uns nur noch selten auftreten, haben sie weltweit
nichts von ihrem Schrecken verloren. Nur wer sich eingehend ärztlich beraten
und behandeln läßt, kann die Gefahr einer Ansteckung deutlich senken. Der ADAC
hat für Fernreisende in Zusammenarbeit mit dem Münchner Tropeninstitut einen
Impfkalender erstellt.
Die Einreise verweigern verschiedene afrikanische und südamerikanische Staaten,
wenn der Tourist keine Impfbescheinigung gegen Gelbfieber vorweisen
kann. Die Impfung muß mindestens zehn Tage vor der Abreise durchgeführt werden
und bietet zehn Jahre lang Schutz.
Gegen die infektiöse Gelbsucht (Hepatitis A) stehen zwei
unterschiedliche Impfstoffe zur Wahl. Die Gammaglobulin
Spritze schützt einmalig für die Dauer
von drei Monaten.
Sehr
viel länger, nämlich fünf bis zehn Jahre,
wirkt die Immunisierung mit einem aktiven
Impfstoff.
Malaria ist nach den Durchfallerkrankungen die zweithäufigste Krankheit,
die sich Fernreisende einfangen. Weltweit übersteigt die Zahl der Malariaopfer
die MillionenGrenze. Die Vorsorge ist schwierig, denn die Krankheitserreger
sind von Land zu Land unterschiedlich und gegen verschiedene Medikamente
resistent. Ein universell einsetzbares Medikament zur Vorbeugung ohne Nebenwirkungen
gibt es nicht. Fachärztliche Beratung ist unbedingt vor jeder Reise
erforderlich.
Malaria wird durch den Stich der Anopheles Mücke übertragen. Der ADAC empfiehlt
Reisenden deshalb, sich in Malaria Gebieten durch einfache Maßnahmen vor
Mückenstichen zu schützen. Geeignet sind Moskito-netze, körperbedeckende
Kleidung abends und nachts sowie Insektenschutzmittel. Unverzichtbar sind Malaria Tabletten. Sie verringern die
Infektionsgefahr erheblich und können den Verlauf einer etwaigen Erkrankung
abschwächen.
Die Cholera Impfung wird von der WHO (World Health Organization) nicht
empfohlen, denn ausreichende hygienische Maßnahmen schützen besser als die
Spritze. Entgegen der WHO Empfehlung kommt es vor, daß manche Länder bei
Uberlandreisenden die CholeraImpfung
verlangen.
Gegen eitrige Hirnhautentzündung (Meningokokken Meningitis) sollte man
sich bei Aufenthalten in Sahelländern, Ostafrika und in Teilen Asiens impfen
lassen. Während der islamischen Pilgerzeit (Mai 1995) wird dieser Impfschutz in
Saudi Arabien bei der Einreise verlangt. In den ländlichen Gegenden Süd- und
Ostasiens tritt die seltene, aber gefährliche Japanische Enzephalitis
(Gehirnentzündung) auf, vor der eine
dreimalige Impfung innerhalb von vier Wochen vor Reiseantritt
schützt.
In subtropischen und tropischen Regionen ist eine Typhus Schluckimpfung ratsam, wenn schlechte
hygienische Bedingungen zu befürchten sind. Die Typhus Impfung schützt
allerdings nicht vollständig vor einer Erkrankung und kann Vorsichtsmaßnahmen
bei der Ernährung nicht ersetzen.
Die Behandlung zahlt in jedem Fall der Reisende. Die gesetzliche
Krankenversicherung kommt nicht für die vorsorglichen Urlaubsimpfungen auf, bei
privaten Versicherungen kann sich eine Rückfrage lohnen.
Der ADAC und das Tropeninstitut warnen Fernreisende
davor, an der falschen Stelle zu sparen. Das Risiko einer Erkrankung steht in
keinem Verhältnis zu den Impfkosten.
Wer mehr über die Impfvorsorge vor einer Reise wissen möchte, kann sich an
seinen Hausarzt oder an ein Tropeninstitut wenden.
Neben der Vorbeugung durch Impfungen kann man sich auf Reisen vor allem durch entsprechendes Verhalten und richtige Ernährung wirksam vor vielen Krankheiten schützen. Der ADAC rät deshalb, kein Leitungswasser zu trinken – auch zum Zähneputzen lieber Mineralwasser verwenden – und auf Speiseeis, Eiswürfel, rohes und nicht schälbares Gemüse oder Obst sowie auf Salate zu verzichten
Da die Zahl der tropischen Erkrankungen zunimmt, warnen Mediziner vor ungenügendem Impfschutz
Die
Zahl tropischer Krankheiten in Deutschland wird nach Ansicht von Medizinern
zunehmen. Die Experten warnten auf dem Deutschen Ärztekongress in Berlin
eindringlich vor schweren Infektionen bei Tropenreisen. Bernhard Ruf vom
VirchowKlinikum (Berlin) nannte als Grund für die Entwicklung vor allem den
ungenügenden Impfschutz der Fernreisenden. »Viele Urlauber halten Fernreisen
für einen kurzen Trip und meinen, sie bräuchten sich darauf nicht gezielt
vorzubereiten«,
Seiner Ansicht nach werden in Reisebüros nur der Reiseverlauf, nicht aber die
Gesundheitsprophylaxe besprochen. »Vielen fehlt die Einsicht, daß sie unter
Umständen bereits vor Reiseantritt Medikamente schlucken müssen«, sagte Ruf.
Das
Risiko nehme nicht nur durch den wachsenden Tourismus und mangelnde Vorsorge
zu, sondern auch durch die stark steigende Zahl von Kranken in Seuchengebieten.
Etwa fünf Millionen Touristen verlassen pro Jahr deutsche Flughäfen mit einem
Reiseziel in tropischen oder subtropischen Regionen, führte sein Mitarbeiter
Dieter Teichmann aus. Zwischen 20 und 50 Prozent von ihnen werden krank; meist
handelt es sich um leichten Durchfall oder Erkältungen.
Seltener, aber bedrohlicher, seien Hepatitis A, Typhus, Amöbenbefall, durch
Stechmücken oder Zecken übertragene Gehirnerkrankungen sowie Malaria. Ein
Moskitonetz sollte zum Standardgepäck von Tropenreisenden gehören, meinte
Dieter Teichmann.
Kaum hatten die Inder die Pest wieder im Griff,
erreichten uns neue Schreckensmeldungen: Malaria-Epidemie. Und Cholera sogar
ganz nah vor unserer Haustür, in Süditalien. Da verging so manchem Urlauber die
Lust aufs Reisen.
Zu Unrecht, wie Dr. Nikolaus Frühwein von der Bayerischen Gesellschaft für
Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen meint. Er bedauert, daß bei ihm und seinen
Kollegen »die Telefone nur nach solchen Meldungen heißlaufen.
Gesundheitsvorsorge ist unspektakulär, aber ein Dauerthema.« Und er versichert:
»Mit einer vernünftigen Prophylaxe ist das
Gesundheitsrisiko jeder Fernreise nicht gröi3er als das der Teilnahme an
unserem Straßenverkehr.«
Wer eine Urlaubsreise plant, egal wohin, sollte zunächst mal
rechtzeitig überprüfen, wie es um seinen Impfschutz steht.
Rechtzeitig
bedeutet mindestens 4 – 6 Wochen vor Beginn.
Bei vielen Erwachsenen bestehen mittlerweile gefährliche Impflücken bei Kinderlähmung (Polio), Diptherie und Tetanus (Wundstarrkrampf). Nach einer Grundimmunisierung von drei Impfungen ist alle zehn Jahre eine Auffrischung nötig.
(Wer
noch keinen hat, sollte sich einen Impfpaß zulegen – dann behält man leichter
die übersicht.)
»Diese Krankheiten sind weiterhin ernst zu
nehmen und können sich auch bei uns wiederausbreiten«, warnt Dr. Sigrid Ley vom
Grünen Kreuz in Marburg.
Wer weit in die Ferne, auf einen anderen Kontinent reisen will, muß klar
wissen:
Was
ist das für ein Land, in das ich fahre?
Wie
sind die hygienischen Bedingungen?
Wie
werde ich dort wohnen, in Luxushotels oder Holzhütten am Strand?
Wie
lange und um welche Jahreszeit werde ich unterwegs sein?
Diese Fragen sind die Grundlage für eine individuelle Impfberatung, die Sie bei Ihrem Hausarzt oder einem niedergelassenen Tropenmediziner (350 in Deutschland haben diese Zusatzausbildung) bekommen. Es spielt nämlich eine große Rolle, ob Sie eine wochenlange Trekkingreise in ländlichen Gebieten, eine relativ kurze Städte-, Kultur- oder eine Pauschalreise in den Tropen machen. Auch gelten jeweils andere Vorsorgemaßnahmen für Kinder, Schwangere (wenn die überhaupt reisen dürfen) und Urlauber mit speziellen Gesundheitsproblemen wie etwa Herzkrankheit, Zucker, Asthma.
Zu den Krankheiten, die sich wieder ausbreiten, gehört die Cholera.
Weltweit
sind ingesamt über eine halbe Million Cholerafälle gemeldet. Da hilft nur,
streng auf Hygiene zu achten.
Deshalb
keine Eiswürfel im Drink, keine Nahrungsmittel bei Straßenhändlern kaufen, kein
Leitungswasser trinken, auf keinen Fall ungeschältes Obst essen.
Eine Impfung gibt's, aber die wird nicht generell empfohlen, da »die
Wirksamkeit stark eingeschränkt ist«, wie das Bernhard- Nocht- Institut für
Tropenmedizin in Hamburg erklärte.
Zentraler Punkt jeder Fernreiseberatung ist ganz ohne Zweifel der Schutz vor Malaria.
Die »Mutter aller Fieber«, wie sie die Chinesen nannten, hat bedrohliche
Ausmaße angenommen: Rund 500 Millionen Menschen in den Malariagebieten der Welt
sind krank, rund drei Millionen davon sterben, vor allem Kinder. Der Schutz vor
der »Killerkrankheit Nummer 1« ist schwieriger geworden, denn die Malariaerreger
werden immer widerstandsfähiger (resistenter) gegen die Medikamente.
Jährlich
schleppen rund 1000 Reisende die Malaria aus tropischen und subtropischen
Gebieten nach Deutschland ein.
Von
den vier verschiedenen ansteckenden Malariaarten ist die Malaria tropica
die häufigste und gefährlichste. Sie kann tödlich enden, wenn nicht rechtzeitig
behandelt wird. Bei einem infizierten Menschen stellen sich Symptome wie
bei einer schweren Grippe ein: Fieber, Kopf
und Gliederschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Husten. Das führt
Hausärzte oft auf die falsche Spur. Deshalb ist es sehr wichtig, den Arzt über
die zurückliegende Reise – auch wenn sie schon länger her ist – zu informieren.
»Bestehen
Sie auf einer Blutuntersuchung, die Malaria ausschließen kann«, rät Dr. Thomas
Löscher vom Tropeninstitut München. Wenn sich Ihr Arzt nicht sicher ist, wird
er Sie zu einem Tropeninstitut überweisen (siehe unten: Beratungsstellen).
Aber soweit soll es ja gar nicht kommen. Dazu können Sie entscheidend
beitragen.
An
erster Stelle steht der Mückenschutz.
Besonders in der Dämmerung, Hochzeit der Anopheles-Mücke, die beim Stich die
Malaria überträgt, sollte man nie, und sei es noch so verführerisch, in kurzen
Hosen und Rökken herumsitzen oder -laufen.
Auch
dunkle Kleidung zieht die Biester an. Halten Sie sich nicht an stehenden
Gewässern auf. Schlafen Sie unter Moskitonetzen, die mit Antimückenmittel
imprägniert sind.
Reiben
Sie die unbedeckte Haut mit moskitoabweisen-den Mitteln ein.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Malariagebiete in
verschiedene Zonen eingeteilt und rät je nach Resistenz der Erreger zu
folgenden Vorbeugemaßnahmen:
Nordafrika, Türkei, Karibik, Mexiko, Mittelamerika:
Hier
sind die Erreger noch nicht resistent; Vorbeugung mit Chloroquin.
Zone
B:
Bangladesh, Indien, Nepal, Sri Lanka:
Gebiete
mit Chloroquinrestistenz. Vorbeugen mit Chloroquin/Proguanil-Kombination.
Nehmen
Sie als Notfallmedizin z.B. Mefloquin mit.
Tropisches Afrika, tropisches Südamerika, Teile Asiens:
Hohes Malariarisiko! Resistenz gegen fast alle Medikamente. Bei Kurzaufenthalten mit Mefloquin vorbeugen, für längere Reisen mit der Kombination Chloroquin/Proguanil.
Dann auf jeden Fall »Standby«-Medikament mitnehmen. (Das schlucken Sie, wenn es
Sie erwischt hat und zunächst weit und breit kein Arzt erreichbar ist.) Die Prophylaxe
muß auch nach
vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes fortgesetzt werden.
Die Vorbeugung mit Medikamenten ist leider nicht ganz unproblematisch, und
manche
Ärzte befürchten, daß damit die Abwehrkraft gegen andere Krankheiten geschwächt wird. Sollte Ihnen bei einigen Medikamenten schwindelig oder schiecht werden, bitte nicht sofort mit der Einnahme aufhören. Sprechen Sie aber auf jeden Fall gleich mit Ihrem Arzt!
Halt, da war doch noch was! Denken Sie an
einen Last-minute-Trip?
Ganz
spontan aufzubrechen heißt, völlig ungeschützt
zu sein.
Dann
fliegen Sie besser erst gar nicht in die »gefährlichen« Länder.
»Eigentlich sollten die Reisebüro schon
entsprechende Ratschläge geben«, fordert Dr. Frühwein. Gegen Leberentzündung
z.B. können Sie sich zur Not noch kurzfristig mit einer GammaglobulinSpritze
immunisieren.
Gegen
Malaria wären Sie dann völlig auf das Standby-Medikament angewiesen.
Vorbeugen ist aber besser als heilen. In diesem Sinne: Gute Reise!
Landesinstitut
für Tropenmedizin, Telefon (030) 2746-777
Städtisches
Klinikum, Institut für Tropen- und Reisemedizin, Telefon (0351) 4963172 oder
4963092
Bernhard-Nocht-Institutfür
Tropenmedizin, Telefon (040) 31182-0
Klinikum
der Universität, Institut für Tropenhygiene, Telefon (06121) 562905
Medizinisch-Polyklinisches
Instistut, Ambulanz für Tropenmedizin, Telefon (0341) 5632356
Institut
für Infektions- und Tropenmedizin, Telefon (089) 333322
Polyklinik
für Innere Medizin, Abteilung Tropenmedizin, Telefon (0381) 494-0
Institut
für Tropenmedizin, Telefon (07071) 292365
Missionsärztliche
Klinik, Tropenmedzinische Abteilung, Telefon (0931) 7912821
Individuelle schriftliche Impfberatung gibt es auch vom Deutschen Grünen Kreuz,
im Kilian, Schuhmarkt 4, 35937 Marburg.
Bitte geben Sie Ihr Reiseziel und Abreisedatum an und legen Sie einen
frankierten Rückumschlag bei